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Die zentralen Motive in Karen Blixens 'udødelige Historie' PDF Print E-mail
Written by Administrator   
Friday, 16 November 2007

Eine Geschichte von Karen Blixen schlüssig zu deuten ist ein  schwieriges Unterfangen, denn dadurch sind Einblicke in ihre  spezielle Mythologie nötig. Es besteht außerdem die Gefahr, zu sehr an biographischen Daten haften zu bleiben. Um aber trotzden  einen Ansatz zu bieten, soll hier versucht werden, Säulen dieser Mythologie, nämlich die einzelnen zentralen Motive  herauszugreifen, was durch die Homogenität der vorliegenden  Geschichte erschwert wird. Deshalb soll ebenfalls versucht werden, die Beziehungen der Motive untereinander darzustellen.    

 

2.DIE MOTIVE   2.1.DAS MOTIV DES KULTURELLEN BEWUßTSEINS    

 

Der Kardinal aus "Kardinalens første Historie" bringt  programmatisch auf den Punkt, was Karen Blixens Anliegen ist, wenn  sie dieses Motiveinbaut:  "Madame," sagde han, "jeg har fortalt Dem en Historie. Saalænge Mennesker har kunnet tale, er Historier er blivet fortalt, og uden Historier vilde Menneskeheden have vansmægtet og været tørret ud, som den vilde være gaaet tilgrunde uden Vand."1  Diese Einstellung entspricht Karen Blixens eigenem aristokratischen Wertehorizont und wird auch anderorts von ihr  thematisiert.    IBlixen, Karen: Kardinalens første Historie, in: Sidste Fortællinger, 2.Auflage, København 1957, S.26    4  Korrespondierend werden durch die Personen Clay und Virginie zwei Welten aufgezeichnet.  Clay fehlt jegliche kulturelle Erinnerunq, was Karen Blixen durch die Charakterisierunq seiner Person karikiert.  Elishama, stellt die andere Nuance dieses Kulturverlustes dar. Er  hat zwar eine Vergangenheit, soqar ein von Blixen darqestelltes Schicksal, ist aber entwurzelt und hat sich u.a. deshalb einen  anderen Namen qeqeben, um seine Vergangenheit zu vergessen.  Seine kulturelle vergangenheit befindet sich quasi in einem Säckchen, daß er als Kind bekommen hatte, welches die Prophezeiung  des Jesaias enthält. An dieser wird dann die ganze Ignoranz Clays aufqezeiqt:  ""Det er taabeligt," erklærede han, “at udtale sig om Ting, som endnu efter tusind Aars Forløb ikke viser noget som helst Tegn til at blive til noget. ­Folk", tilføjede han langsomt, "skulde hellere optegne Ting som allerede ersket."..."...Jeg ved hvad man kalder en saadan Opgørelse. En Historie. Jeg harengang selv hørt en Historie. ..." ,,2  Die Ignoranz Clays gegenüber der Welt der Geschichten rächt sich.  Die Geschichten verkörpern die Welt der Träume, da es sich um Utopien handelt die nicht Teil von clays "Weltplan" sind.  Der als werkintelligent geschilderte Elishama zeigt im Aufeinandertreffen mit Virqinie sein nichtvorhandenes Bewußtsein:  "Elishama svarede hende ikke, for han vidste ikke hvad Ordet [Tradition] betød."3  ""Ja, en Komedie," sagde Elishama. "Jeg havde glemt Ordet. ...",,4  Ähnliches findet sich bei Virginies Anspielunq auf den Judaslohn  ( "Tredive sølvpenqe" ) :  "Elishama, som selv talte godt Fransk, genkendte ikke Citatet, men troede at hun spottede ham fordi han blev daarligt betalt i Mr. Clay’s Tjeneste."s  2Blixen, Karen: Den udødeliqe Historie, in: Blixen, Karen:Mindeudgave, Bd.6: Skæbne Anekdoter, København 1964, S.161f.3Blixen, Karen: Den udødeliqe Historie, S.1854Blixen, Karen: Den udødeliqe Historie, S.175 sBlixen, Karen: Den udødeliqe Historie, S.177    5  Virginie dagegen hält Traditionen, die sie "Mønster" nennt, hoch, obwohl die reale Welt für sie anders aussieht:  ""Den Vej, De talte om, " sagde Elishana, "som gik gennem Notre-Dame Kirken -den er her, i dette Mønster. Kun gaar den, i dette Mønster, omvendt.""6  Ihre Wurzel ist u.a. der Wahlspruch "pourquoi pas", der auch Karen  Blixens Gedankenwelt entsprach:  "But it worked. It was encouraging and inspiring. "Why?" by itself is a wail or lament, a cry of thar haart; it seams to ring in tha desert and to be in itsalf negative, tha voice of a lost cause. But when anothar negative, the pas, the "not", is addad, tha pathetic question is turned into an answer, a directive, acall of wild hope. " 7  Virginie versteht auch die Ironie des Schicksals und kann mit der  Diskrepanz zwischen der idealen und der realen Welt leben: "Virginia  er en klog Pige, hun forstaar sig paa Ironi!"8  Zwar sollte man von den Personen nicht auf den Autor schließen,  aber die Figur der virginie drückt Ideale aus, die der aristokratischen Wertewelt Karen Blixens entsprechen.  Aus Blixen spricht wie es Langbaum sagen würde “the sense of Europe as a marvelous configuration of mind and spirit".9    2.2. DAS SCHICKSALSMOTIV  "All Isac Dinesen stories are anecdotes of destiny. ...she is also increasingly schematic, as though she were constantly finding the  pattern of the pattern. ,,10  6Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.184 7Langbaum, Robert: Isak Dinesen's Art. The Gayetychikago and London 1975, S.2678Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.1829 Langbaum, S.2710 Langbaum, S.272  of Vision,    6  Schicksal ist quasi das kompositorische Prinzip in den Geschichten  Karen Blixens. Schon zu Beginn öffnen sich Schicksalskreise, die sich unerwartet für den Leser schließen: Der Kaufmann stellt sich  als Virginie’s Vater heraus, der seine Familie dazu verpflichten wollte, nie wieder in das Gesicht Mr. Clays zu schauen: das Haus  des Verstorbenen geht in den Besitz Clays über. Die ganze Geschichte ist durch das Schicksal konstruiert.   Das Schicksal des Herrn Clay wird von Karen Blixen mit der   Verwirklichung der seemannsgeschichte verbunden:  "Mr. Clay's Forlangende var utvivlsomt et Svaghedstegn hos den gamle Mand, muligvis endogsaa en Slags Varsel om at han var sin Død nær. ,,11  Ein Brücke zu Mr.Clay schlägt auch die Prophezeiung des Jesaias, denn dort ist von Lahmen, die springen wie ein Hirsch, die Rede  sowie von Tauben, die wieder hören ll.  Mr. Clay hat Gicht und ist schwerhörig. Er identifiziert sich mit  dem Herrn in seiner Geschichte und seine Rede wird somit zur  Selbstanklage.  Alle Fakten der Seemannsgeschichte, die die Welt des Idealen verkörpert, bewahrheiten sich auf ihre Art. Die Welt des Realen  bleibt außen vor.  Bei den verwobenen Beziehungen innerhalb der Geschichte wird auch  deren genaue Konstruierung auf den Zeitpunkt hin deutlich, als die  Geschichte quasi umkippt, die Schicksalskreise sich schließen und das herausgeforderte Schickal demonstriert, daß es der eigentliche  Marionettenspieler in der “udødelige Historie” ist, der von Anfang an die Fäden in der Hand hält und Mr. Cay als seine Spielfigur am  Ende fallenläßt. Damit einher geht auch die Nennung der körperlichen Zustände. Erst der siechende Alte, der dann durch die  Besessenheit von seiner Idee aufblüht (“Hans sejr havde mærket  “Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.153    7  ham, ...Men den havde paa samme Tid forunderligt forynget ham. ,,12 ) und für den letztlich "Triumfs Bæger havde været for stærk"13  Die Ironie des Schicksals dabei ist, daß sich Clay quasi durch die  Geschichte verwandelt und nicht die Geschichte durch ihn.  Während Mr. Clay eher eine Karikatur ist und der Matrose mehr eine  Funktion in bezug auf die Handlung einnimmt, sind Virginie und Elishama tiefgehender dargestellt, was auch durch eine  differenzierte Verwendung der Innensicht bei ihnen zum Ausdruck gebracht wird. Sie haben ein Schicksal. Bei Virginie kommt die  Ironie die das Schicksal bei Karen Blixen oftmals an den Tag legt,  zum Tragen:  1. "Virginie er en klog Pige, hun forstaar sig paa Ironi! "  2. GegenÜberstellung Komödie-Tragödie  3 ."Mønster" , das verkehrt herum läuft  4. Sündenfall verkehrt sich  Das Schicksal, das sich in der "udødelige Historie" offenbart, ist tragikomisch, es ist nie stringent oder beherrschbar. Dieser  Eindruck wird dem Leser immer wieder in Erinnerung gerufen, sei es  durch die Erzählhaltung (s.u.) oder durch überraschende Wendungen in der Handlung.  Tragikomisch ist in Verbindung mit dem Träumermotiv, daß sich die scheinbar ultimative Wahrheit letztendlich als Fiktion erweist und  umgekehrt. So würdigt Elishama als neutraler Beobachter das Ganze als Kömödie:  "Langsamt gik det ap far Elishama, hvarledes en Kamedies Værdi ligger deri, at i den et Meneske endelig engang kan sige Sandheden. ,,14  12Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.205 13 Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.217 14Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.194   8  Er deutet auch vorher stellvertretend für das Schicksal an, daß  die Komödie, in die sich Virginie einläßt, gleichzeitig Clays Tragödie sein wird.  So erfüllt sich die größte Utopie, nämlich die Prophezeiung des Jesaia wortwörtlich ("og sorrig og Suk skal fly." "Vande skulle  bryde frem i Orken, og Bække paa den øde Mark."), wogegen sich die Seemannsgeschichte im Sinne Clays letztendlich nicht verwirklicht,  weil sie der Matrose nicht erzählen will:  " "den Historie ligner sletikke det som j eg har oplevet. " ..."Hvem paa noget Skib i Verden vilde trog mig, hvis jeg fortalte det?""15 .  Utopien, an die nicht geglaubt wird, bzw. deren Erfüllung nicht erträumt wird, sind wertlos.  Eine tiefere Wahrheit besiegt hier die Sichtbare. Die Wahrheit wird hier mystifiziert.  Mit dem inhaltlichen Aspekt des Schicksals verbindet sich auch  eine (schicksals-) ironische Erzählhaltung, die obwohl vereinzelt, durchgängig zu finden ist und beim Leser den Eindruck erweckt, daß  das Schicksal selbst die Geschichte geschrieben hat (s.o.).:  "Denne døende Mand var paa Vej ud for at manifestere sin Almagt, og for at gøre det som ikke kunde lade sig gøre. " 16  "Skulde maaske hendes store, dystre Tragedie forvandles til en KOmedie?'117  Auch in der Figurenperspektive finden sich schicksalhafte Anspielungen durch Elishama, der als neutraler Beobachter diese  Rolle vertritt:  " "Mr Clay' s Forlangende var utvivlsomt et Svaghedstegn hos den gamle Mand, muligvis endogsaa en Slags Værsel om at han var sin Død nær. 11'118  " "Denne Historie-den gør det af med Mr .Clay ." ,,19  15Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.220 16Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.188 17 Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.208 18Blixen, Karen: Den udødeliqe Historie, S.153 19B1ixen, Karen: Den udødeliqe Historie, S.186   9  ""Intet Menneske i Verden, ikke engang den rigeste Mand i den, kan tage enHistorie som Folk har fundet paa og fortalt, og lade den ske iVirkeligheden. ",,20    2.3. DAS MARIONETTENMOTIV   Dem romantischen Ideengut ist das Marionettenmotiv zuzuordnen, an  dem Karen Blixen ein technisches und ontologisches Interesse hat.21 Mr. Cay will sich an der "Idee des Autors" vergreifen, um als  Verursacher und Schöpfer dem "Weltplan" und somit dem Schicksal  einen Sreich zu spielen:  " "Men paa det sidste er det faldet mig ind, at jeg næsten kunde have Fornøjelse af at overgive den i en Haand som jeg selv havde ladet blive til. Ladet blive til, " gentog han langsomt, "Tilladt at eksistere, -fremkaldt, -man kunde sige: skabt. Saaledes som j eg har skabt min Formue, min Million Pund. " ,,22  Dazu will Cay Povl und virginie mißbrauchen, genauso wie er seine Arbeiter ausbeutete, die auch seinem absoluten Willen gehorchen  und deren Empfindungen er ebenfalls materialisiert hat:  "Han stirrede næsten lykkelig paa Pigen i Sengen, som var blevet kaldt til Live paa hans Bud. ..,,23  'II'.  ..Og fordi I kan bevage j er og gaa omkring uden at det smerter, tror I at I bevager jer og gaar omkring som det passer jer selv. Men saadan er det ikke. I gaar og bevager jer som jeg befaler. I er i Virkeligheden to unge, raske ogstærke Sprællemænd i denne gamle Hand. " ...II Saadan , " fortsatte han, saadan er , som jeg har sagt jer, de Fattige Sprællemænd i Hænderne paa de Rige, Taaberneher paa Jorden i Handerne paa dem som er klogere. De danser, og de holder op at danse, alt eftersom Haanden trækker i Snorene""24  Die Liebenden erinneren sich an ihre Rolle und erfüllen diese zwar  äußerlich, trotzdem entgeht clay nicht seinem Schicksal:  2°Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.18621Glienke, Bernhard: Fatale Präzedenz. Karen Blixens Mythologie,(Skandinavische Studien Bd.18), Neumünster 1986, S.29422Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.19523Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.20624Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.206f.    10  "Hele den stive og stolte Skikkelse, misundt og frygtet af TuBinder, lignede idenne Morgenstund en Sprællemand, naar den Baand som trak i Snoren pludselig hargivet Slip. ,,25  Elishama hält als neutraler Beobachter stellvertretend für den  Erzähler den Eindruck, einer Marionettenkomödie beizuwohnen, hoch:  "Bvad var der sket med de tre Mennesker som havde haft hver Bin Rolle i Mr. Clay' s Historie? 1126  Er hält sich aber andererseits an seine ihm zugedachte Rolle, als  er sich beim Seemann vergewissern will ob er die Geschichte erzählen würde.  Im Hinblick auf das Marionettenmotiv ist Elishama also  gleichzeitig innerhalb und außerhalb (als “lernende  Perspektivfigur junger Mann”) des von Glienke aufgezeichneten Aktantenvierecks. 27  Dies zeigt sich auch am Ende, als die Geschehnisse ihn selbst  betreffen:  ""Jeg har hørt den før, " tankte han, "for lange siden. For lange, lange siden. Men hvor? " 1128  An einigen Stellen wird die Figurenperspektive durchbrochen. Der Erzähler läßt keine Unklarheiten darüber, daß er stellvertretend  für das Schicksal die Fäden in der Hand hält (“olympic point of  view”):    "...var Virginie i Soveværelset... ved at forberede sig til Bin egen Rolle, Bel tindens Rolle, i Mr. Clay' s Historie. " 29  " ...for paa Bin stilfærdige Maade at blive Historiens Punktum eller Epilog. 1130  Bei diesen gelegentlichen EinschÜben wirkt der Erzähler wie ein Marionettenspieler, der seinen Puppen die Rollen zuteilt und die  25Blixen, Karen: Den 26Blixen, Karen: Den 27 Glienke, S.90ff28Blixen, Karen: Den 29Blixen, Karen: Den 3°Blixen, Karen: Den  udødelige Historie, S.217 udødelige Historie, S.218 udødelige Historie, S.222 udødelige Historie, S.202 udødelige Historie, S.217   11  ganze Geschichte in einer Hand hält. So entsteht der Eindruck, daß die Protagonisten ähnlich den Marionetten kein Eigenleben haben.  Langbaum erklärt Karen Blixens Bezug zu Marionetten SO:  "It is significant that she first combined the two styles[fantasy and satire by means of marionettes, for marionettes and the Book of Job are the references that recur most often in her work. They are both used to answer the same question -how to find the ideal in the real, the absolute in the relative. They would seem to offer opposite answers­ the Lord's lyrical celebration of the life of nature as against lifeless dolls. ...But her references to marionettes tell about the twin aspects of her art­ the imaginative intensity with which she bodies forth the ideal and the satire which invokes the ideal to criticize the real. The marionettes also illustrate her use of characters as both naturalisticrepresentatives of their own relative viewpoints and stylized agents of theplot, representatives of the absolute. ,,31"Although Isak Dinesen was never again to use marionettes, the marionette comedyhelps us understand some of her most characteristic qualities­ the deliberate emphasis on artifice and the imposition on painful material of a comicawareness, the awereness that someone is pulling the strings, as an answer tothe story' s problems. 1132  Richtungsweisend für die Entwicklung des Marionettenmotives bei  Blixen war die 1926 -als Karen Blixen noch unbekannt war­  veröffentlichte Marionettengeschichte "Sandhedens Havn". Darin  läßt Karen Blixen die Hexe sagen:  ""Nogle Mennesker gør andet end de har Lyst til og glemmer, hvad de selv er. De forvirrer Naturens Tanker, de plumrer Naturens Kilder op, ja tag jer endelig iagt for dem. ...Saadanne Mennesker, som jeg taler om, vaagner om Hatten, bliver urolige og beskammes, naar de tænker derpaa. -Sandheden er, at vi alle spillermed i en Marionetkomedie, og hvad det, mine børn, især gælder om i enMarionetkomedie er at holde Forfatterens Idé klar. " 1133  Dies trifft in besonderem Maße (Schlaflosigkeit) auf Mr.Clay zu.  Eine ähnliche Situation läßt sich in "Digteren" finden. Die Rolle  des Herrn Clay nimmt hier der Mathiesen ein (vgl. Potenziani in  "vejen omkring Pisa") .Dieser hat ein ähnliches Verhältnis zu  Anders Kubbe, wie Clay zu Elishama. Der Virginie entspricht  Fransine. Es wird ebenfalls ein Treffen arrangiert, die Liebenden  als Marionetten mißbraucht. Auch hier geht es nicht so aus, wie es  31 Langbaum, S. 48 32 Langbaum , S. 4933 Henriksen, Aage: Karen BlixenAage: Det guddommelige barn og København 1965, S.11  og marionetterne, in: Henriksen, andre Essays om Karen Blixen,    12  der Planende wünscht, denn "Forfatterens Idé" ist es, wie Karen  Blixen in "Den afrikanske Farm" (Mindeudqave Bd.3, S.285)  schreibt:  "Btolthed er Bevidstheden om, og Troen paa den Tanke, som Gud havde, da han skabte os. For den stolte Mand er denne Tanke altid nærværende, at det er hans Maal at fuldbyrde den. Han stræber ikke efter en Lykke eller et Velvære, somikke er i Overensstemmelse                                                                      .med Guds Plan med ham. Hans Buksces er Guds Tanke Bukces og han er forelsket sin Bkabne. Ligesom den gode Borger finder Lykken i opf  y  ldelsen af sin Pligt mod Bamfundet, saadan finder den stolte Mand sin Lykke i Fu dbyrdelsen af sin Bkabne. Han kræver en Bkæbne af Gud .Mennesker uden Btolthed er sig ikke bevidst, at Gud har forbundet nogen Tanke med at skabe dem, og de kan tidt faa andre til at tvivle paa, at der virkelig var nogen Tanke forbunden dermed. Eller ogsaa er Ideen med dem gaaet tabt, og hvem skal da finde den igen? Disse Mennesker maa stole paa andre FolksOpfattelse af hvad der er op og ned, og de maa akceptere deres Lykke, og selvederes Jeg, til Dagens Notering. De skaIver med Grund for deres Skabne og løber34fra den, naar de kan. "    2.4.DAS TRÄUMERMOTIV    Bei der Beschäftiqunq mit dem Träumermotiv fällt auf, daß die vier  Charaktere einen homogenen Boqen bilden, die auch mit einer unterschiedlichen Darstellunq dieser durch die Erzählperspektive  einhergeht.Die eine Seite dieses Bogens, sind die Vertreter der realen Welt,  die der kulturellen Erinnerunq fernstehen, nämlich Clay und  Elishama.  Stellt man die Charakterisierunq Herrn Clays (enql. Lehm) der des  Elishama qeqenüber, so mutet erstere eher wie eine Karikatur an, wogegen letztere eher eine plastische Figur entstehen läßt.  Cays fehlendes Begehren hat sich in Willen verwandelt, nämlich in den Willen alles zu materialisieren, seiner phantasielosen Welt  der doppelten Buchführunq zu unterwerfen.    34 Henriksen , S. 12    13  Elishama war "uden som helst Illusioner angaaende Verden eller Menneske.  ...Begær under enhver Form var blevet vasket, bleget og brændt ud af ham inden  han havde lært at læse."35  Sein Begehren hatte sich in Lethargie verwandelt.Ein Aspekt der Gegenüberstellunq der realen gegenüber der idealen  Welt ist der ironisch ausgestaltete Vergleich zwischen dem  Glaubbaren, den  Prophezeiungen und Utopien der beiden Geschichten gegenüber dem Vokabular der Tatsachen, des zählbaren, der Welt der  doppelten Buchführunq, von Angebot und Nachfrage.Ebenfalls ausgestaltet ist das Traummotiv durch die Konfrontation  der Ausgetrocknetheit Clays (enql.: Lehm) mit seiner Gicht; gegenüber der Welt der Körpersäfte.  In Herrn Clays (über-) realer Welt sind Wunsch und Erleben uneins.  Dort wird auf Träume verzichtet, es regieren "Angebot und Nachfrage". Der Daseinszweck der Seemannsqeschichte ist, das  Wunsch und Erleben für kurze Zeit eins sind.36  Dies trifft auch auf die von Clay gekaufte Rekonstruktion  derselben zu.  Da die Seemannsgeschichte nicht in Clays phantasielose Welt paßt, ist er verunsichert:  "Men han var rystet, og vidste hverken ud eller ind, paa Grund af ProfetenEsaias, som var i Færd med at tilintet9øre hans hele Verden, og ham selv medden. ,,37  Das Anlieqen, die Geschichte zu materialisieren, um seiner  Verwirrtheit Herr zu werden, wird zur Passion.  Die andere Seite des Bogens bilden Virginie und Povl. Die  Träumerin wird belohnt, wie in der Geschichte der Seemänner sind  für einen kurzen Moment Wunsch und Erleben eins:  35Blixen, Karen: Den udødeliqe Historie, S.15436 Thurmann, Judith: Isak Dinesen. The life of Karen Blixen, London1982, S.26937 Blixen, Karen: Den udødeliqe Historie, S.167    14  "Run følte hans mægtige Greb om sig sam en hidtil ukendt Slags Virkelighed, der fik alt andet til at synes hult ag forfalsket. ,,38  Blixen stellt das aus bürgerlicher Sicht eigentlich Anrüchige als ethisch positiv dar.  Hier findet das Träumermotiv ein positives Ende im Gegensatz zu  "Det drømmende Barn", wo es sich um dasselbe Motiv dreht. Jens  wird dadurch zerstört, daß seine Träume in die Realität umgesetzt werden. In beiden Geschichten erweist es sich letztendlich, daß es  nicht der Zweck von Träumen ist, daß sie verwirklicht werden, deshalb wird Virginies Sündenfall umgekehrt.  Virginie, deren Art eigentlich dem Sinn der Prophezeiung entspricht, steht besser da als Clay, der versucht den Sinn dieser  Geschichte, und somit das Schicksal herauszufordern.  Virginie und Povl repräsentieren die seite der idealen Welt, wobei  die Personen ebenfalls nuanciert dargestellt werden. Am Umfang der Beschäftigung mit der Person Virginies wird deutlich, daß ihr  Sündenfall das Hauptmotiv ist. Dieser Fall wird anhand einer Episode mit dem Fräulein von Montijo illustriert.  Trotz ihres Falles ( "Virginie ' s Fald" , S. 180) lebt sie mit  kultureller Erinnerung. Ihre "Muster" und Traditionen hat sie nicht vergessen (z.B. französisch reden). Die Quelle ihrer  Traditionen ist ihr Vater.  Durch die Diskrepanz idealer zu realer Welt zeigt sich bei ihr,  daß das Reale das ironische Gegenteil des Idealen ist.Dies wird auch durch die GegenÜberstellung von Komödie zu Tragödie  veranschaulicht, welche vertauscht werden, denn Virginies Tragödie wird zur Komödie, in der sie ein junges, unschuldiges Mädchen  spielt. Blixen baut in der Szene in der sich die beiden "gekauften  Hampelmänner", die sich Träume und Illusionen bewahrt haben, eine  38Blixen, Karen: Den udødelige Historie, S.210    15  Idylle auf mit ihren Anklängen an Romeo und Julia sowie Povl et  Virginie von Bernardin de St.pierre.  Die Geschichte kippt quasi, was für Karen Blixen typisch ist, durch eine überraschende Wendung um, an der sich zeigt, daß das  Schicksal eingreift und seine Macht ausübt.Hier wird deutlich, daß sich alle Aspekte der Seemannsgeschichte  auf eine eigene Art bewahrheiten. Zentral ist dabei, daß Virginie symbolisch ihre Unschuld zurückbekommt (Erdbeben bei der  Entjungferung).  Povl markiert die vierte Nuance. Für ihn sind Träume dazu da, verwirklicht zu werden, (z. B das Boot). Er hat wie Clay seinen  Willen nocht nicht eingebüßt.Die Muschel als Symbol manifestiert die Unkäuflichkeit des  Zusammentreffens, als etwas Edlem, das nicht beherrschbar ist. sie  steht gleichzeitig für die Prophezeiung des Jesaias und der  seemannsgeschichte, für Phantasie und Träumen, die Welt des  Idealen als wirklich Unzerstörbarem. Heraus aus der Muschel dringt ein Rauschen, daß ein nicht greifbares, unmateriales, akustisches  Phänomen ist. Die Muschel steht für Begehren und Sehnsucht und ist unsterblich wie die Prophezeiung und die Geschichte, denn wenn  diese wahr wären, würde sie keiner hören wollen. Karen Blixen  bedient sich hier wie so oft der Meeressymbolik.    3.BEZIEHUNGEN DER MOTIVE UNTEREINANDER   Nach Langbaum wird in der "udødelige Historie" die essentielle  Situation aller Blixen stories fortgesetzt:    16  "We live by projecting out of memory -personal memory that shades off into cultural memory­ patterns through which we hope to accomplish our purposes. We accomplish our purposes but not in the sense we intended; for somewhere in acting out our own stories, we step into God's and serve His purpose. We step into God's story when we are carried by a genuine emotion to that depth where our desire meets His­ when, as happened to Mr Clay's story, the pattern experienced from inside seems as though it had never happened before. "39  Er stellt hier Bezüge zwischen den einzelnen Motiven her. Henriksen sieht die Verquickung der Motive folgendermaßen:  '.In her tales, stories and anecdotes are arranged in layers, one on the top of the other, and the innermost kernel of any of her tales is never a moral principle but rather another smaller story or an image. Compositional lines never meet in a point but come together to form a figure. ,,40  Bei der “ludødelige Historie” wird das deutlich, denn es gibt nicht nur den “point of the story”, sondern die Aussagekraft resultiert  aus dieser Vermischung von Motiven, die in den Geschichten Blixens auch in ihren Nuancen durchqespielt werden.  Das Motiv des Verlustes des kulturellen Bewußtseins, das an einem Figurenpaar ausgearbeitet wird, bildet eine Opposition zum  Träumermotiv, dem ebenfalls zwei Personen zugeordnet sind. Eine ähnliche Gegenüberstellung kann man auch für das  Marionettenmotiv und das Schicksalsmotiv konstruieren. Das  Schicksal wird herausgefordert durch den sich seine Allmacht beweisen wollenden Clay, der die Personen wie Marionetten  behandelt und auch bei den symbolischen Vertretern des Idealen,  der Seemannsgeschichte und der Prophezeiung die Fäden in die Hand  bekommen will. Aber das wahrhaft allmächtige Schicksal läßt sich nicht beeinflussen und macht Clay zur eigentlichen Marionette.  Berührungspunkte finden sich auch zwischen dem Kulturmotiv und dem Marionettenmotiv, denn nach Karen Blixens Vorstellung, die in der  “udødeliqe Historie” durchschimmert, sind alle Menschen  Marionetten eines ”Weltplans” und auch das Bewußtsein um den  39 Langbaum, S. 2724°Henriksen, Aage: Karen Blixen and Marionettes (engl. Ausqabe),S.18f.    17  kulturellen Kontext gehört zur Durchschauung der "Idee des  Verfassers".  Zur Beziehung des Träumermotivs mit dem des Schicksals ist zu  sagen, daß dort das Schicksal am stärksten lenkend eingreift. Die Ironie des Schicksals ist es gerade, daß der Sündenfall Virginies  in etwas Edles verwandelt wird und somit der ideellen Welt der  Vorzug gegeben wird. Dadurch bewahrheitet sich die gekaufte Geschichte dann doch nicht, obwohl sich die Liebenden an ihre  Rolle halten: "Den Historie," sagde han, "den Historie ligner  sletikke det som jeg har oplevet."    4.RESÜMEE    Nach eingehender Untersuchung der Beziehungen der Motive läßt sich  eine gewisse Hierarchie konstatieren, die Langbaum ebenfalls sieht  ("Chinese boxes", "Pattern of the pattern",s.o. ) .  Die äußere Schachtel ist das Schicksal, der "Weltplan" .Das  kulturelle Bewußtsein ist das Wissen darum, ein Teil dieses  "Weltplans"  zu sein, weshalb auch "Forfatterens Idé klar" zu  halten ist.  Darin eingebettet sind die Menschen, die sich dem nicht entziehen können, aber durch ihre Träume und Ideale entsprechen sie mehr  "Forfatterens Idé" , sind mehr Fleisch und Blut und weniger bloße  Marionetten und treten von "own stories" hinüber in "God's  story"(s.o.).  Obwohl die "udødelige Historie" sehr homogen erzählt ist, läßt  sich eine genaue Konstruktion ablesen. Das ist schon an der    18  Kapiteleinteilung ersichtlich. Durch wechselnde Personage beleuchtet Karen Blixen parabelhaft eine andere Facette der  Problematik.   LITERATURVERZEICHNIS   Blixen, Karen: Blixen, Karen: Kardinalens første Historie, in:  sidste Fortællinger, 2.Auflage, København 1957, S.9-30  dies.: Mindeudgave, Bd.6: Skæbne Anekdoter, København 1964  Glienke, Bernhard: Fatale Präzedenz. Karen Blixens Mythologie, (Skandinavische Studien Bd.18), Neumünster 1986  Henriksen, Aage: Karen Blixen og marionetterne, in: Henriksen,  Aage: Det guddommelige barn og andre Essays om Karen Blixen,  København 1965, S.9-33  Langbaum, Robert: Isak Dinesen's Art. The Gayety of Vision,  chikago and London 1975    19  Thurmann, Judith: Isak Dinesen. The life of Karen Blixen, London  1982    

 

Last Updated ( Monday, 28 July 2008 )
 


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